Redakteur: Bernhard M. Kirk
„Das Netz“ ist gespannt
BRÜHL-BEURBARUNG. Sehen,was die Menschen brauchen, und dann entsprechend handeln – das ist Aufgabe der Kirche. Davon sind die Verantwortlichen der katholischen Pfarrei St. Konrad und Elisabeth überzeugt und haben deshalb jetzt „Das Netz“ gespannt, das Familienzentrum am Kindergarten St. Konrad. Es soll ein unterstützendes Angebot für Eltern von Kindern sein, um Verarmung und Bildungsbenachteiligungmöglichst zu verhindern.
Denn, macht Pastoralreferent Martin Vrana deutlich: Im Stadtteil Brühl-Beurbarung mit einem hohen Anteil von Menschen ohne deutsche Wurzeln, von arbeitslosen Frauen und Männern, von Familien mit unterdurchschnittlichem Bildungsabschluss sind die hier lebenden 2100 Kinder und Jugendlichen besonders gefährdet, in ihrer gesamten Entwicklung behindert zu werden. Dem soll das neue Familienzentrum, das erste einer katholischen Pfarrgemeinde in Freiburg, entgegenwirken. Als Grundlage dienen die Erfahrungen der Erzieherinnen in den drei Kindergärten der Pfarrei (St. Konrad, St. Bernhard und St. Elisabeth): Genauso wichtig wie die pädagogische Arbeit mit den Kindern sind die Begleitung und die Unterstützung der Familien. „Die Erzieherinnen sind nahe an den Kindern und den Eltern dran und sehen, was gebrauchtwird“, sagtMarianneWinter. Sie ist die Kindergartenbeauftragte der Seelsorgeeinheit Freiburg Nord (zu der St. Konrad und Elisabeth gehört) und hat „Das Netz“ zusammen mit den drei Kindergartenleiterinnen, Elternbeiräten, Haupt- und Ehrenamtlichen gewoben. Vier Knotenpunkte werden darin sichtbar. Das Familiencafé zumBeispiel soll an zwei bis drei Vormittagen in der Woche Eltern aller Religionen und jeglicher Herkunft einen einfachen Zugang zum Familienzentrumermöglichen. Der zweite Knotenpunkt sind Bildungsangebote für Eltern: Fachleute wie eine Pädagogin und eine Krankenschwester werden in Vormittagskursen mit den Eltern über alltägliche Situationen im Familienalltag sprechen und versuchen, bei Problemen im Miteinander Lösungen zu finden oder andere Verhaltensweisen aufzuzeigen. Dazu kommen Eltern-Kind-Angebote für Familien mit Kindern im Krabbelalter, besonders auch Angebote für Väter und ihre Söhne und Töchter. Der vierte Knotenpunkt heißt Serviceleistungen, wofür sich das Familienzentrum auch Hilfe von außen holt. Dazu zählen Sozialberatung (Sozialdienst katholischer Frauen), Schuldnerberatung (Stadtcaritasverband), sonderpädagogische Beratung (Sprachheilschule der Lortzingschule), Sprechstunden und Verweis auf Hilfeangebote, aber auch Vermieten der Räume etwa für Kindergeburtstage. „Es geht uns bei allem um Vernetzung“, erklärt Martin Vrana, „an der auch die Eltern aktiv beteiligt werden sollen.“ Auf keinen Fall solle das Familienzentrum zu einem reinen Dienstleistungszentrum für den Stadtteil werden – „das Ganze muss von vielen mitgetragen werden“. Und von den Eltern (mit Kindern bis ins Grundschulalter hinein) selbst. Doris Schelb, die Leiterin des Kindergartens St. Konrad hat da auch schon einige Ideen: „Hier können sie sich mit ihren sonst nicht so gefragten Fähigkeiten einbringen, können kochen, tanzen, musizieren, vorlesen, Diavorträge halten – und erfahrenWertschätzung.“ Raum für all das gibt es genug im Familienzentrum in der Emmendinger Straße 41. Dort, wo früher die Sozialstation untergebrachtwar, hat die Pfarrei St. Konrad und Elisabeth laut Marianne Winter 100000 Euro in den Umbau gesteckt. Hier gibt es nun das Elterncafé mit Küchenzeile, ein Spielzimmer für Kleinkinder, sanitäre Anlagen samt Wickeltisch, ein Beratungszimmer mit Sitzecke und einen Raum für die Elternkurse. Offiziell eingeweiht werden wird „Das Netz“ am 26. September.
Und Christine Hartmann, Leiterin der „Kita Violett“ in Weingarten, die mit ihrem Familiennetzwerk bundesweit Beispiel gebend wurde, zeigt sich schon mal ganz angetan: „Wenn so was jetzt auch in Brühl-Beurbarung gemacht wird, ist das nur löblich.“


